Auszug aus RZ Raumausstatterzeitschrift Ausgabe 6-7/2011 MARKT AKTUELL

Fünf Fragen an Petra und Richard Kille

Das Ehepaar Kille hat erfolgreich eine Ausbildung zum Bau-/Wirtschaftsmediator abgeschlossen

Interview: Jens Lehmann
RZ: Aus welchem Grund haben Sie die Ausbildung zum Mediator absolviert?
Richard A. Kille: In den 23 Jahren meiner Sachverständigenpraxis erfahre ich täglich, dass Meinungsverschiedenheiten besser durch Schlichten als durch Richten beigelegt werden können. Wenn es mein Auftrag zulässt, nehme ich dem Richter gern die Arbeit ab, hole alle Beteiligten an einen Tisch und suche nach Lösungen, bei denen keiner das Gesicht verliert.
Petra C. Oberwalleney-Kille: Die Mediation ist die logische Fortsetzung unserer bisherigen Arbeitsphilosophie, Kunden eine bestmögliche und umfassende Leistung zu bieten, ihre Probleme "von innen heraus" zu analysieren und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.



Richard A. Kille und
Petra C. Oberwalleney-
Kille leiten gemeinsam
das Sachverständigen-
büro IFR in Köln
RZ: Welche Möglichkeiten bietet die Mediation?
Petra C. Oberwalleney-Kille: Die Bau-Mediation ist eine klar strukturierte, systematische Form der Konfliktlösung. Als Mediatorin unterstütze ich die Konfliktparteien beim Prozess der Kommunikation und der selbstverantworteten Lösungsfindung. Der Gang zum Gericht bleibt dann allen erspart.
Richard A. Kille: Die Mediation ist auch in der Bodenbelags- oder Immobilienwirtschaft gefragt. Meine Branchenkenntnisse und mein Wissen in der Mediation bilden die Basis für ein modernes Konfliktmanagement, ohne das heute kein großes Unternehmen mehr auskommt. Konfliktpotenzial gibt es beispielsweise häufig zwischen der Marketing-, der Technik- und der Verkaufsabteilung. Es hat sich gezeigt, dass die Mediation eine Möglichkeit ist, aus den Abteilungen, die unterschiedliche Interessen vertreten, ein Team zu schweißen, das gemeinsam gesetzte Ziele nicht nur verfolgt, sondern auch erreicht.

RZ: Wie läuft eine Mediation ab?
Petra C. Oberwalleney-Kille: Der Mediator ist wie ein Moderator, er steuert die Kommunikation der Medianten, also der Konfliktparteien und muss deren Interessen herausarbeiten. Dabei steht die gütliche Einigung und nicht die Frage nach der Schuld oder einem vermeintlichen Rechtsanspruch im Vordergrund. Ziel der Mediation ist es, eine Lösung zu finden, mit der die beteiligten Parteien leben können.

RZ: Inwiefern spielt in der Sachverständigenpraxis bei Objekten das Thema Nachhaltigkeit eine Rolle?
Richard A. Kille: Bedarfsanalysen in der Immobilienwirtschaft gehören schon heute zu meinen Aufgaben. So stehen beispielsweise Betreiber von Krankenhäusern, Altenpflegeheimen, Bildungseinrichtungen oder Einkaufszentren immer wieder mit der Frage im Konflikt: "Welches ist der richtige Bodenbelag, wie erfolgt die Reinigung und Pflege und wie lange hält das Produkt". Solche Fragen zur Nachhaltigkeit können nur mit entsprechendem Sachverständigen- und Expertenwissen beantwortet werden, die Mediation hilft dabei, die unterschiedlichen Wünsche und Vorstellungen zu vereinen.
Diese Form der Nachhaltigkeit gewinnt zunehmend auch in der Innenausstattung an Bedeutung. Allerdings ist der Begriff derzeit noch zu einseitig an der Ökologie ausgerichtet. Die ökonomische Dimension der Nachhaltigkeit gerät im Vergleich zu den Umweltaspekten stark ins Hintertreffen – ist aber in der Immobilienwirtschaft der gefragtere Aspekt. Wirtschaftliches Kalkül ist der Haupttreiber für nachhaltiges Bauen.
Wir sind heute schon – mit Blick auf den Bodenbelag – an der Erarbeitung von Lebenszykluskosten eines Gebäudes beteiligt. Dabei fließen nicht nur die Erstellungskosten, sondern auch die Betriebs-, Wartungs-, Werterhaltungs-, Ausbau- und möglichen Entsorgungskosten der Fußbodenkonstruktion mit in die Berechnung ein. Ein verantwortungsvoller Raumausstatter und Bodenleger muss sich bei der Angebotserstellung Gedanken darüber machen, was sein Kunde während der Nutzung erwartet und wie hoch der Aufwand einer Renovierung oder Sanierung ist. Nur auf den Preis der Erstellung zu achten, ist zu kurz gedacht.

RZ: In welchen Bereichen sollten sich Ihre Raumausstatter-Kollegen weiterbilden?
Richard A. Kille: So etwas wie die Mediatoren-Ausbildung kann im Prinzip jeder machen, da das Wissen der Mediation auch im Berufsalltag hilfreich sein kann. Allgemeine Weiterbildungsthemen, die für jeden Raumausstatter wichtig und in der heutigen Zeit unabdingbar sind, haben wir in perfekter Form zum 3. Deutschen Raumausstattertag präsentiert bekommen: Der Umgang mit Kunden, Möglichkeiten der neuen Medien oder Vorteile von Kooperationen sollten jeden Kollegen interessieren.
Petra C. Oberwalleney-Kille: Jeder muss selbst wissen, was ihn nach vorne bringt oder wo er seine Defizite sieht. Grundsätzlich ist es aber heute wichtiger denn je, sich permanent fortzubilden. Aus- und Weiterbildung sichert die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens, dies gilt insbesondere in Zeiten der Globalisierung und des demografischen Wandels.

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